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Reichtum und unser Verständnis davon

Reichtum und unser Verständnis davon

Ich möchte über ein Thema schreiben, das mich zuletzt sehr beschäftigt hat. Es soll um Reichtum gehen, genauer gesagt um unser Verständnis von Reichtum.

Hierfür möchte ich erst einmal eine genaue Definition von Reichtum anführe. Ich unterscheide Reichtum in folgende Aspekte. Reichtum kann vieles sein, von finanziellem Reichtum, materiellem Reichtum bis hin zu sozialem Reichtum.

Laut der Definition des Duden beschreibt Reichtum großen Besitz, eine Ansammlung von Vermögenswerte, die Wohlhabenheit und Macht bedeuten.

Von zentraler Bedeutung erachte ich die Unterscheidung, beziehungsweise die Aufteilung in Wohlhabenheit und Macht, damit ist klar dargestellt, dass Reichtum nicht nur finanzieller Natur sondern eben auch eine große Verantwortung mit sich bringt.

Diese beiden Punkte möchte hinterfragen ja sogar gegenüberstellen, denn ich denke, Reichtum wird fälschlicherweise immer noch einseitig interpretiert.

Aber zu allererst, wie komme ich überhaupt auf dieses Thema?

Ich denke der Hauptgrund für dieses Thema war die Entstehung von „Gräben“ innerhalb zweier persönlicher Welten. Ich meine die Unterscheidung von meiner eigenen Wahrnehmung und der Wahrnehmung meines Umfelds, jedenfalls so wie ich sie interpretiere. Okay klingt bisschen wirr, was meine ich genau damit?

In der letzten Zeit habe ich mich vermehrt mit globalen news beschäftigt, ich versuche so viele unterschiedliche Quellen zu konsumieren wie nur möglich (von Reuters bis NYT bis hin zu Aljazeera und south china morning post ist alles dabei). Und genau hier wird es interessant, denn ich konsumiere diese news, nehme also auf, bin informiert (sofern möglich) und verurteile dementsprechend zu verbessernde Zustände auf der Welt. Doch es hört dort nicht auf, ich verspüre den Drang mehr tun zu müssen, den Drang meiner Position, meiner Verantwortung gerecht zu werden. In meinem direkten Umfeld allerdings, verspüre ich nicht wirklich diesen Drang, Dinge zu verbessern. Die Gesprächsthemen sind meistens sehr ego-fokussiert, selten geht es um Menschen die in Not sind oder um Menschen die keine Stimme haben. Ich frage mich, was das für eine Wahrnehmung der Welt ist, ich stelle mir also die Frage, was für ein Mensch bin ich, wenn ich nicht alles in meiner Macht stehende tun würde um die Welt zu einem gerechteren Ort zu machen. Dieses Umfeld und auch ich selbst kann man recht gut in eine Gruppe eingliedern. Hierfür möchte ich den Begriff western privileged (WP) nutzen, denn dieser Begriff beschreibt mich in meiner Position, sowie weitere Menschen, die einer ähnlichen Gruppe zugehörig sind.

Mit WP sind alle Menschen gemeint, die in der freien westlichen Welt leben dürfen, wichtig ist hier, dass es nochmal Untergruppen gibt, die nach Geschlecht, Herkunft, Alter, Vermögen etc. unterscheiden. Aber allem in allem geht es den WP besser als den meisten Menschen auf der Welt. Und dennoch empfinden wir so oft das Gefühl von einer ständigen Verschlechterung unserer Lebensstandards.

Okay, genug Definitionen und Erklärungen, rein ins Thema. „Reichtum verpflichtet“, jeder kennt diesen Spruch, jeder verbindet etwas mit diesem Spruch, ob Zustimmung oder Ablehnung. In politisch interessierten Kreisen wird viel über Reichtum und die Verteilung von Grundgütern diskutiert, was gut ist. Oftmals allerdings, und hier beziehe ich mich auch auf mich, merke ich allerdings, dass mit dem Wort „verpflichtet“ die Pflicht eines Anderen gemeint ist, Selbstverantwortung bleibt in Diskussionen meistens unerwähnt. Ich halte das für ein äußerst schädliches Dogma, denn genau hier vergessen WP, dass wir mitverantwortlich sind, für die Welt und deren Institutionen und Ordnungen. Wir vergessen, dass seit dem Kolonialismus jeglicher Fortschritt oder Entwicklung von westlichen Mächten beeinflusst, kontrolliert oder gar gesteuert wurde.

Wir sollten unsere Verantwortung gegenüber der Welt nicht nur auf Konzerne, Regierungen und NGOs auslagern, sondern selbst begreifen, wie wichtig es ist, selbst für Recht und Gesetz einzustehen, auch dann, wenn die unmittelbaren Folgen unbequem, ja sogar schädlich für unseren aktuellen Lebensstil sind. Doch wer sich tatsächlich einen moralischen Menschen nennen will, sollte verstehen, dass Probleme, die außerhalb unserer Reichweite liegen, dennoch Probleme sind, für die wir mitverantwortlich sind.

Ich appelliere also an alle, die sich gegen das bloße Hinnehmen von Situationen und Problemen aussprechen, selbst aktiv zu werden, denen die Macht haben, auf den Füßen herumzutrampeln und sich seiner eigenen Verantwortung gerecht zu werden. 

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